Mit dem Leitwort „Die Zukunft liegt in dem, was war“ feierte die Kirche im Europapark das 20-jährige Jubiläum der Pilgermuschel. Das traditionelle Pilgertreffen brachte zahlreiche Gäste zusammen, um auf zwei Jahrzehnte gemeinsamer Wegerfahrungen zurückzublicken und zugleich den Blick nach vorne zu richten.
„Die Zukunft liegt in dem, was war“ – Pilgertreffen feiert 20 Jahre Muschel im Europapark
13.07.2026 |
Zur Eröffnung erinnerte Europapark-Inhaber Jürgen Mack an viele persönliche Begegnungen und Gespräche, die das Pilgertreffen über die Jahre geprägt haben. Immer wieder hätten sich Menschen auf den Weg gemacht – äußerlich wie innerlich. Das Jubiläumsmotto bringe dies auf den Punkt: „Tradition und Innovation gehören zusammen. Gerade das Pilgern zeigt, wie Neues entstehen kann, ohne die eigenen Wurzeln zu verlieren.“
Auch Norbert Scheiwe, Präsident der Badischen St. Jakobusgesellschaft, blickte auf die Anfänge des Pilgertreffens im Europapark zurück. Von Beginn an habe die Muschel den europäischen Gedanken des Miteinanders getragen. Gleichzeitig werde das Pilgern immer beliebter – voraussichtlich eine halbe Million Menschen würde sich in diesem Jahr auf den Jakobsweg begeben. Doch worum geht es beim Pilgern eigentlich? Scheiwes Antwort lautete: „Menschen verarbeiten ihre Erfahrungen, nehmen Vergangenes an und machen es fruchtbar für ihren weiteren (Lebens-)Weg.“
Den geistlichen Impuls gestalteten die Europapark-Seelsorger Andrea Ziegler und Thomas Schneeberger. Pilgern bedeute, so Schneeberger, „in Bewegung zu sein – im wachen Rückblick auf das, was war, und mit einem hoffnungsvollen Blick auf das, was kommt.“ Wer pilgere, trete in Beziehung zu sich selbst, zu anderen Menschen, zur Schöpfung und zu Gott. Gerade in einer Zeit, die von Tempo und Unverbindlichkeit geprägt sei, werde das Pilgern zu einer wohltuenden Gegenbewegung.
Andrea Ziegler griff diesen Gedanken auf und erinnerte an die große Hitze bei der Einweihung der neuen Kapelle in der Silver Lake City. Pilgern könne anstrengend und herausfordernd sein. Gerade deshalb gehöre auch die Fähigkeit dazu, rechtzeitig innezuhalten. „Man muss wissen, wann es Zeit ist, eine Pause zu machen und Wasser zu schöpfen“, sagte sie. Obwohl der Körper müde werde, könne der Seelenrucksack leichter werden. Vor diesem Hintergrund sei auch die Entscheidung richtig gewesen, die traditionelle Pilgerwanderung von Ettenheim nach Rust aufgrund der Rekordtemperaturen in diesem Jahr abzusagen.
Den Höhepunkt des Nachmittags bildete der Impulsvortrag der Landesbischöfin der evangelischen Landeskirche Baden, Frau Prof. Dr. Heike Springhart. Für sie ist der Europapark ein besonderer Ort, an dem sich über Achterbahnen und Ewigkeit gleichermaßen nachdenken lasse. Das Leben gleiche einer Achterbahnfahrt: Höhen und Tiefen gehörten dazu – allerdings gebe es im Leben keinen Sicherheitsbügel. Die Landesbischöfin spannte den Bogen von der Geschichte der Pilgermuschel bis in die Gegenwart. Nicht weil früher alles besser gewesen sei, sondern weil die großen Fragen des Lebens zeitlos blieben, habe das Pilgern bis heute seine Kraft. Es lehre Gelassenheit und Vertrauen. Mit Blick auf die große Hitze in den vergangenen Tagen und die abgesagte Pilgerwanderung formulierte sie einen Satz, der viele berührte: „Es gibt einen Gott – aber ich bin's nicht.“ Wie entlastend sei doch die Erfahrung, nicht alles selbst tragen und leisten zu müssen. Pilgern erinnere daran, dass der Mensch ein Homo viator sei – ein Wandernder. In einer beschleunigten und digitalisierten Welt brauche es immer wieder bewusst gesetzte „Bremsspuren“. Wer pilgert, entschleunigt, begegnet sich selbst, den Mitmenschen und Gott. Gerade darin liege die bleibende Aktualität des Pilgerns – und vielleicht auch seine besondere Kraft für Europa, so Springhart.
Mit dem ermutigenden Schlussimpuls der beiden Seelsorger – „Gehe einfach los!“ – endete der erste Teil des Pilgertreffens, bevor beim traditionellen gemeinsamen Mittagessen im Hotel Santa Isabel die Begegnungen und Gespräche in herzlicher Atmosphäre ausklangen.
Ein besonderer Dank gilt der Familie Mack, die auch in diesem Jubiläumsjahr die Gäste zum gemeinsamen Tisch eingeladen und damit ihre enge Verbundenheit mit der Kirche im Europapark und dem europäischen Gedanken des Pilgerns zum Ausdruck gebracht hat.
Nathalie Lindauer



